Hurt

Mein Leben

Komisch, wie alles seinen Gang nimmt. Alles läuft irgendwie und geht irgendwie zu ende. Aber eben immer nur irgendwie. Ich kann mich nicht einmal mehr daran erinnern, wie es früher war, wie es war, Situationen im Griff zu haben. So lange ist das gar nicht her. Aber auf dem Weg von da, wo ich stand, bis hier sind Leitungen durchgebrannt, Ansichten zerbröselt, Vorurteile geboren, gestorben, wieder auferstanden, in Vergessenheit geraten, ein Kapitel nach dem anderen ist vorbei gerauscht. Sowieso habe ich das Gefühl Protagonistin in einem Roman zu sein. Stellt sich nur die Frage, was war zu erst: Das Buch oder der Mensch? Aber über sowas sollte man nicht reden. Manchmal denke ich das wirklich. Ich glaube, dass ich gelenkt werde, wissen dass es Unsinn ist und dass ich, selbst wenn es nicht so wäre, selbst wenn es stimmen würde, besser daran tun würde, mir sicher zu sein, ich hätte Macht über mein Leben, aber es ist einfach ein Gefühl. Wahrscheinlich geboren aus dem Kontrollverlust, weil es dennoch weiter geht, (ohne mein Zutun, sodass der Gedanke, dass dieses "Tun" die ganze Zeit über nur Illusion war und nur zur Beruhigung des Gewissens gedient hat), weil es immer leichter ist, die Verantwortung von sich zu schieben. Dinge zu wissen und sie anders zu empfinden ist merkwürdig. Letzten Endes siegt der Glaube, nicht der Verstand, denn am Ende bleiben Zweifel. So gesehen kann man aber auch sagen, der Verstand siegt, denn es bleiben hierbei ebenfalls Zweifel. Das impliziert der Widerspruch an sich.
Ich weiß auch nicht, was ich von mir halten soll. Um negative Gefühle aus mir herauszubekommen, pressen, wäre in diesem Fall ein passendes Wort, brauche ich Musik oder jemanden, der mich verletzt, aber das kommt seltener vor und wenn dann ist es meist nicht heftig genug um Tränen hervorzulocken. So viele Menschen in einem zu sein ist doch nicht normal oder? Ich habe das Gefühl das ich tausende bin. Jetzt gerade bin ich zufrieden, habe mir ein paar CDs gekauft und höre Musik. Zwischendurch bekomme ich Lust zu tanzen. Abends mache ich mir darüber Gedanken, wie ich lebe und wie nutzlos ich bin. Manchmal wache ich auch auf und bin wütend. Dann pampe ich Menschen, die ich nicht kenne an, meistens in Gedanken, was keinen großen Unterschied macht bis auf die Schläge, die ich womöglich kassieren würde.. Abends mit anderen mache ich Sprüche und komme gut dabei an, aber in festen Räumen, in Zimmern bekomme ich Angst in einer großen Gruppe und die Wörter gehen mir verloren. Unwirklichkeit schleicht sich bei mir ein, sobald ich mich vor die Tür wage und der Hauch Realität, der bleibt, genügt um mir Angst vor diesem Surrealen zu machen. Ist das mein Leben? Bin ich das? Warum merkt keiner, dass ich anders bin? Warum sind meine Haare noch genauso wie vorher, warum haben sich meine Züge nicht verändert? Wie kann ich noch der gleiche Mensch sein? Diese Fragen stelle ich mir tatsächlich, auch wenn sie überflüssig sind. Übernacht verfärben sich die Haare nicht einfach und die Nase wird auch nicht aufeinmal größer und sowieso bin ich noch der gleiche Mensch, nur habe ich mit meinen Erfahrungen zu kämpfen. Das weiß ich alles. Trotzdem die Fragen. Glaube lauert hinter dunklen Ecken. Erweckt Widersprüche zum Leben.
20.1.10 21:23
 
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